Zuspitzung ist zur Währung digitaler Sichtbarkeit geworden
Gestaltung in der Logik der Aufmerksamkeit.
In sozialen Medien setzt sich Zuspitzung leichter durch als Differenzierung. Was polarisiert, wird geteilt. Algorithmen verstärken diese Logik.
Gleichzeitig lassen sich mit KI Inhalte in Sekunden produzieren. Bilder und Texte entstehen in einer Geschwindigkeit, in der Einordnung kaum noch hinterherkommt.
Für Gestaltung stellt sich damit eine Frage: Wie kann man sichtbar sein, ohne zu schreien?
Komplexität aushalten
Wissenschaft, Politik und Kultur lassen sich selten auf eine eindeutige Botschaft reduzieren. Ihre Themen leben von Widersprüchen und unterschiedlichen Perspektiven.
Demokratie lebt von der Fähigkeit, diese Komplexität auszuhalten.
Gestaltung kann Informationen ordnen und Zusammenhänge sichtbar machen. Sie kann einen Zugang schaffen, ohne Inhalte einfacher zu machen, als sie sind.
Orientierung statt Manipulation
Ein Interface lenkt Aufmerksamkeit. Ein Bild kann Angst erzeugen. Sprache verändert, wie wir einen Sachverhalt wahrnehmen.
Diese Möglichkeiten gehören zu unserem Beruf. Entscheidend ist, wofür wir sie einsetzen.
Gerade bei öffentlichen Institutionen oder Bildungsprojekten sollte Gestaltung Menschen nicht zu einer bestimmten Sichtweise drängen. Ihre Aufgabe ist es, Informationen zugänglich zu machen und Orientierung zu geben.
Gestaltung darf dabei emotional sein oder überraschen. Aber sie sollte Menschen ernst nehmen.
Tatort soziale Netzwerke
Für den Landesbeauftragten für politische Bildung haben wir das Logo zur Workshopreihe »Tatort soziale Netzwerke – Verschwörungsmythen und Fake News im Internet« gestaltet. Die Initiative richtet sich an junge Menschen und will einen reflektierten, souveränen Umgang mit Desinformation fördern.
Gerade bei diesem Thema zeigt sich, was Gestaltung leisten kann: Nicht die nächste einfache Antwort geben, sondern dabei helfen, genauer hinzusehen.