01.07.2026

Zuspitzung ist zur Währung digitaler Sichtbarkeit geworden

Gestaltung in der Logik der Aufmerksamkeit.

In sozialen Medien setzt sich Zuspitzung leichter durch als Differenzierung. Was polarisiert, wird geteilt. Algorithmen verstärken diese Logik.

Gleichzeitig lassen sich mit KI Inhalte in Sekunden produzieren. Bilder und Texte entstehen in einer Geschwindigkeit, in der Einordnung kaum noch hinterherkommt.

Für Gestaltung stellt sich damit eine Frage: Wie kann man sichtbar sein, ohne zu schreien?



Komplexität aushalten


Problematisch wird es, wenn komplexe Inhalte kaum noch vermittelbar sind. Einfache Botschaften und emotionale Reize setzen sich leichter durch als Differenzierung.

Das betrifft gerade Wissenschaft, Politik und Kultur. Themen, die Widersprüche und unterschiedliche Perspektiven aushalten müssen, werden auf eindeutige Botschaften reduziert.

Demokratie lebt aber von der Fähigkeit, Komplexität auszuhalten.

Gestaltung kann dabei helfen. Sie kann Informationen ordnen und Zusammenhänge sichtbar machen. Sie kann einen Zugang schaffen, ohne Inhalte einfacher zu machen, als sie sind.


Gestaltung ist nicht neutral

Gestaltung beeinflusst Entscheidungen und Wahrnehmung. Ein Interface lenkt Aufmerksamkeit. Ein Bild kann Angst erzeugen. Sprache verändert, wie wir einen Sachverhalt wahrnehmen.

Diese Möglichkeiten gehören zu unserem Beruf. Entscheidend ist, wofür wir sie einsetzen.

Gerade bei öffentlichen Institutionen oder Bildungsprojekten darf Gestaltung nicht versuchen, Menschen auszutricksen. Sie sollte ihnen ermöglichen, sich selbst ein Bild zu machen.



Orientierung statt Manipulation

Gestaltung kann nicht neutral sein. Trotzdem gibt es einen Unterschied zwischen Einfluss und Manipulation.

Gestaltung entscheidet, was sichtbar wird, und lenkt Aufmerksamkeit. Darin liegt Verantwortung.

Für uns soll Gestaltung Orientierung schaffen und Inhalte verständlich machen. Sie darf dabei emotional sein oder überraschen. Aber sie sollte Menschen ernst nehmen.

Praxisbericht

Für den Landes­beauftragten für politische Bildung haben wir das Logo zur Workshop­reihe »Tatort soziale Netz­werke – Verschwörungsmythen und Fake News im Internet« gestaltet. Die Initiative richtet sich an junge Menschen und will einen reflektierten, souveränen Umgang mit Desinformation fördern.

Gerade bei diesem Thema zeigt sich, was Gestaltung leisten kann: Nicht die nächste einfache Antwort geben, sondern dabei helfen, genauer hinzusehen.


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