07.09.2026

Warum Markenfiguren zurückkommen

Zwischen KI-Einheitsbrei, Markenminimalismus und digitaler Reizüberflutung wächst das Bedürfnis nach Persönlichkeit.

Viele Unternehmen entfernten ihre Charaktere aus ihren Erscheinungsbildern. Logos wurden reduziert und Systeme neutraler. Marken sollten möglichst flexibel, international und »clean« funktionieren. Heute sehen viele davon erstaunlich ähnlich aus.

Illustrationen wurden generischer, während Typografie immer häufiger die Identität tragen sollte. Aus Angst vor Beliebigkeit entstand paradoxerweise oft genau das: Beliebigkeit.

LLMs spiegeln und verstärken diese Langeweile, die sich in der Designszene in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Immer die gleichen Lösungen, immer die gleichen Referenzen. Designer lassen sich bequem von Pinterest inspirieren, statt sich mit Themen und der Realität auseinanderzusetzen.

Im digitalen Raum wird das besonders sichtbar. Beim schnellen Scrollen verschwimmen Marken zu ähnlichen Oberflächen.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass Markenfiguren gerade wieder auftauchen. Sie bringen Persönlichkeit zurück.

 

Zwischen Meme-Kultur und Identitätssystem

Marken bewegen sich heute zwischen Memes, GIFs und Reactions. Eine Figur kann darauf reagieren, ohne bei jeder Anwendung neu erfunden werden zu müssen.

Dafür braucht sie ein System, das Veränderung zulässt und trotzdem erkennbar bleibt.


Das Missverständnis der »kindlichen« Gestaltung

Markenfiguren werden oft mit Kinderprodukten verbunden. Das macht sie für viele Institutionen zunächst verdächtig.

Eine gute Figur verniedlicht ein komplexes Thema nicht. Sie eröffnet einen anderen Zugang.

Gerade für öffentliche Institutionen ist das interessant. Wie kann eine Institution nahbarer werden, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren?


Charakter braucht Kontext

Eine Markenfigur braucht eine nachvollziehbare Herkunft. Sonst wird sie schnell zur Dekoration.

Die oben abgebildete Figur haben wir für den Schleswig-Holsteinischen Landtag entwickelt. Ihre Form ist aus dem Nesselblatt des schleswig-holsteinischen Landeswappens abgeleitet.

Bei einem Quiz auf einer Messe entstand daraus eine unerwartete Begegnung. Jugendliche vor dem Bildschirm machten die Tanzbewegungen des Nesselblatts nach. Plötzlich wurde aus einem Hoheitszeichen etwas, mit dem Menschen interagierten. Die Verbindung zum Landtag blieb erhalten, aber die Distanz veränderte sich.

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